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Das "bei mir" ist Raucherklub

Die Mitglieder des Rauchklub "bei mir" dürfen ihrer Leidenschaft auch im Gastraum immer dann frönen, wenn keine Speisen angeboten werden. Da die Küche montags ganz geschlossen bleibt, darf an diesem Tag im bei mir durchgehend geraucht werden. Das gilt auch an den übrigen Tagen nach dem Küchenschluss ab 22 Uhr.

Mit diesem Kompromiss zwischen den Wünschen kulinarischer und nikotinischer Feinschmecker präsentiert sich das bei mir als ein etwas anderer Raucherklub.

Der zeitgeistige Aufreger im "Neuen Deutschland" des beginnenden 21. Jahrhundert, unter dem Titel:

"Vorsätzlich selbst zugefügte und/oder erlittene, fremdverursachte Kolateral-Inhalation von Aerosolen aus glimmenden, getrockneten Laubblättern der Tabak-Pflanze (Nicotiana L.) und deren physiologische, psycho-physische, gruppendynamische, privat- und strafrechtliche, sowie politische bis transzendente Implikationen" -

dieser Konflikt "to go" im Niemandsland zwischen öffentlichem Raum und Privatsphäre, in der digital-anonymisierten Gemengelage zwischen den großen Kesselschlachten um die letzten Intimbereiche und Feuchtgebiete, exaltiertem Imponiergehabe, klingelvertonten Seelen-Striptease- und sonstigen extrovertierten Peinlichkeits-Pandemien, tobte als Stellvertreterkrieg wohlfeiler Politvereins-Schaukämpfe auch am Thresen des bei mir, fand aber schließlich in seiner eigen artigen Raucherklub-Regelung seine gordische Lösung - schaun mer mal, wie lange noch mit amtlicher Segn/Duld-ung?! ...

Auf der einen Seite dieser letzten Entscheidungs-Schlacht 2.0 (schließlich gibt es ja keine größeren gesellschaftlichen Probleme mehr) befinden sich die ebenso eingefleischten wie systemisch unangreifbaren Tabak-Genuss-Traditionalisten ("Nach dem Essen sollst Du rauchen, oder ...!"), die in späteren Lebensabschnitten eine überdurchschnittliche Inanspruchnahme von Leistungen der Solidargemeinschaften im Gesundheitswesen durch ein ausgesprochen faires, die Pensions- und Rentenkassen entlastendes, (billigend) in Kauf genommenes Frühableben mehr als egalisieren.

In den gegenüber liegenden Schützengräben die unbestechlichen Fundamental-Anti-Nikotinisten, mit sicherer Anwartschaft auf einen Platz in der VIP-Lounge ihres Paradieses, wo sie u.a. eine der jämmerlichsten Gestalten der Weltgeschichte, dennoch ein prominenter Mitstreiter ihrer Sache begrüßen dürfte. (Ja, ja, Frau Knobloch - ich weiß!...).

Stets treu und gnadenlos ihrer obersten Lebens-Maxime folgend: "Sterbe gesund!" - selbstverständlich ausdrücklich auch im Interesse des Wohlergehens ihrer verblendeten slow-suizidalen Gegner -, scheuen sie gelegentlich auch den Konflikt mit den legalen Inhabern des Gewaltmonopols in unserem Gemeinwesen nicht, immer "frisch, frei, fröhlich und fromm" nach ihrem zweitbesten Motto: "Keine totkranken Gefangenen!" und mit der schelmischen Frage auf den Lippen: "Nehmen wir Skalps?".

Und, auf der vollständig abgedrehten Seite dieser globalen Schlacht, das immer noch unzählbare Heer der beklagenswerten Gewohnheits-Fluppen-Sauger, die Raucher, die in ihrer Umnebelung weder begreifen, dass sie nach dem restlosen Verheizen der tropischen Regenwälder die globale Erwärmung auch durch Ausübung ihrer CO2neutralen Passion in ottomotorisierten Automobilen nicht verhindern - strahlend verlängerte Restlaufzeiten von Atomkraftwerken hin oder her -, noch dass angesichts Millionen weltweit verhungernder Kinder, Sex-Sterne-Nahrungsaufnahme-Erlebnis-Orgien von Feinst-Schmeckern auch durch Beibgringung von Lagerfeuer-Assoziationen moralisch nicht aufzuwerten sind,

und nicht zuletzt, dass sie in einer existenziellen Zwickmühle (Marke "Sisyphos"), zwischen der höchst altruistischen Leistung weit überdurchschnittlicher Beiträge zum fiskalischen Aufkommen unseres Gemeinwesens und der traurig-tragisch-komischen Tatsache verharren, dass ihnen im Gegenzug die in der Lebensbilanz leicht erhöhte Inanspruchnahme von Leistungen des Gesundheitswesens angekreidet, ja noch dramatischer der Vorwurf vorsätzlicher schwerster Steuerhinterziehung gemacht wird, so bald er/sie einmal so selbstsüchtig werden sollte, mit dem Rauchen aufzuhören!...

Wie man sieht: Ein hoch komplexes Problemfeld.

Doch, im Ernst:

Bisher hat das Biotop bei mir Nieschen für eine Vielzahl unterschiedlichster, ja sogar gegensätzlichster "Arten" fakultativer bis obligater Residenten angeboten. Sowohl für Spezialisten wie den hingebungsvollen Anhänger von Gourmet-Gourmand-Hochglanz-Rezensionen, den Anwärter auf die Mitgliedschaft im Jopi-Heesters-Klub, den Bronchien-Asphaltierungs-Quarz-V-er, den begnadeten Dampf-Plauderer mit oder ohne Kommunen-Vita, wie für einen Oportunisten meiner Art: Ein zum Euter-Saftladen-Adepten (obligater Milch-Trinker) konvertierter Ex-Kettenraucher und -Kölschvernichter, der aber ohne auch nur die geringsten gefühlten, geschweige denn (hoffentlich!) bleibenden geistigen Schäden einen ganzen Abend mit einem Vollrausch-Besitzer an der Theke verbringen und auch neben einem akuten Bodennebel produzierenden Paffer am Tisch eine leckere Kreation aus Annas Küche genießen kann - ehrlich, manchmal lüge ich.

Na ja, im Konfliktfall siegte nach meinen - sicher nicht flächendeckenden - Erfahrungen im bei mir immer noch der "gesunde Menschenverstand", den man unter anderem an gelebter Toleranz und Rücksichtnahme erkennt. Die wiederum daran, dass sie ohne Vorschriften - von woher auch immer - und ohne Beibringung auch nur geringster seelischer und/oder sonstiger Verletzungen auskommen.

Euer Karlheinz

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