-24- aus Helges Wohnzimmer


Dein Freund

Ich möchte auch Dein Freund sein, doch Du lässt mich nicht. Ich kann Dich nicht verstehen;

Warum stellst Du Teile für Waffen her, warum arbeitest Du in Atomkraftwerken, warum zerstörst Du die (Um)Welt?

Ich möchte auch Dein Freund sein, doch Du lässt mich nicht. Ich kann Dich nicht verstehen;

Warum schreist Du: „Ausländer raus!“, warum kümmerst Du Dich nicht um Flüchtlinge, warum lässt Dich die soziale Frage kalt?

Ich möchte auch Dein Freund sein, doch Du lässt mich nicht. Ich kann Dich nicht verstehen;

Warum ist Dir Macht wichtiger als Beziehungen, warum zertrümmerst Du anderer Leben für Deine Karriere, warum geht Dich der Mensch, der für Dich arbeitet, nichts an?

Ich möchte auch Dein Freund sein, doch Du lässt mich nicht. Ich kann Dich nicht verstehen;

Warum schlägst Du Deinen Mitmenschen, warum schießt Du Auf Menschen, warum folterst Du Menschen?

Ich möchte auch Dein Freund sein, doch Du lässt mich nicht. Ich kann Dich nicht verstehen;

Warum engst Du Deinen eigenen Lebensraum ein, warum ist Dein Reden anders als Dein Tun, warum bekämpfst Du Dich selbst?

Ich könnte auch Dein Freund sein, doch Dir ist Konsum wichtiger als Freundschaft. Du denkst nicht an die Anderen, die Dich jetzt brauchen. Muss denn erst all das Schreckliche, das woanders passiert, wieder bei Dir im Haus geschehen, damit Du endlich aufwachst?

Sei doch der mündige Bürger, für den Du immer hältst.

Sei mein Freund, denn ich brauche Dich, (so) wie Du mich brauchst.
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