-13- aus Helges Wohnzimmer


Blickwechsel

Ich stehe in mich versunken, ab und zu einen Schluck aus meinem Bierglas nehmend, als ich plötzlich ein Augenpaar auf mich gerichtet fühle.

Mein Kopf bewegt sich langsam hin und her, um meinem Augen ein größeres Blickfeld zu ermöglichen, doch sie erspähen nichts. Ich wende mich wieder meinem Glas zu und nehme einen Schluck. Ich werde unsicher, bestelle ein neues Kölsch, das alte austrinkend.

Immer noch unsicher, überlege ich, „Wem gehören diese Augen?!“. Wieder spüre ich ihren Blick, bin aber nicht fähig, ihn zu erwidern. Ich erstarre fast. Die Bedienung spricht mich an. „Ja, gib mir noch eins“, sage ich ohne mitbekommen zu haben, was sie eigentlich wollte.

„Du musst Dich ablenken, sonst hältst Du das nicht aus“, denke ich. Bedächtig fingere ich eine Zigarette aus der vor mir liegenden Schachtel und stecke sie an. Die ersten Züge genießend, komme ich zu mir.

„Na, wie geht’s Dir, Helge?“, höre ich hinter mir eine Stimme. Mich behäbig der Stimme zuwendend stoppe ich mitten in der Bewegung. Ein wohliger Schauer durchzieht meinen Körper. „Helge, was ist los?“, höre ich die Stimme von eben.

Ich kann nicht weiter, mein Körper spannt sich, denn sie haben sie entdeckt, meine Augen die ihren.

Ich sonne mich in ihrem Blick. Behaglichkeit durchstreift mich, sekundenlang verharren unsere Blicke ineinander.

„Helge“, höre ich wieder die Stimme. Meine Augen verlieren ihren Blick und finden den Menschen, der mich aus meiner Faszination reißt. „Klaus, ach Du bist es, mir geht’s gut“. Er will mir ein Gespräch aufzwingen, doch meine Augen sind schon wieder auf die ihrigen gerichtet. Ihr Blick verschwindet für einen Lidschlag – ist das ein Zeichen – oder?

Als ich gerade auf sie zugehen will, bemerke ich, sie ist mit ihrer Begleitung, die mir erst jetzt auffällt, im Aufbruch begriffen. Eine Traurigkeit überkommt mich. Ich ziehe mich in meine Erinnerung zurück und widme mich wieder meinem Bier. Beklommen spreche ich mit diesem oder jenem. Je später der Abend, desto hohler die Gespräche.

Seit Wochen bin ich auf der Suche nach ihren Augen. Ich habe die Hoffnung aufgegeben, will aber dennoch eine Anzeige aufgeben, aber in welcher Zeitung soll ich was schreiben?

Es dauerte nur einen Augenblick, aber ich habe ihn genossen, ja ich genieße ihn noch immer. Auch dieser Augenblick gehört zu meinem Leben, das ich wegen solcher Augenblicke liebe.

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